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Katrin Frauchiger und Katharina Weber sprengen den Garten!


21. November 2018


Eine neue CD erscheint bei neos…

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Sopranistin Katrin Frauchiger und Pianistin Katharina Weber veröffentlichen eine neue CD mit dem Label neos music: Vom Sprengen des Gartens

Auszug aus dem CD-Heft: 

«Zu analysieren gibt es da nicht viel!», bemerkt Jürg Wyttenbach schalkhaft. Wir sitzen in einem Berner Café, vor uns ausgebreitet sind Fotokopien der «Liedle», wie der Komponist seine 8 Duettini und 3 kurzen Gebete schlicht und liebevoll nennt. 2013/14 sind sie für Katrin Frauchiger und Katharina Weber entstanden. «Ich muss stets wissen, für wen ich schreibe. Und meistens habe ich für befreundete Musiker und Musikerinnen geschrieben.» Sie also bestimmen Konzeption und Ergebnis latent mit. Letzteres überrascht hier: Gegen das Etikett ‹typischer Wyttenbach› scheint es sich auf den ersten Blick zu sträuben. Doch worin besteht dies Typische? Im Théâtre musical, der szenischen Aktion, dem (bisweilen derben) Witz, der Ironie und Groteske? Die beiden Widmungsträgerinnen, die mit Wyttenbachs Œuvre eng vertraut sind, sehen es differenzierter: Vor, hinter und neben dem bunten Treiben des instrumentalen und vokalen Theaters gab es stets auch das sehr Private, das Tiefgründige, den Zug ins Ernste, verbunden mit radikaler Verknappung, messerscharfer Präzision des Ausdrucks. Und es ist dieser Aspekt seiner Kunst, den Wyttenbach in den Miniaturen für Frauchiger und Weber herausstellt. Die passenden Texte für die 8 Duettini fand er beim japanischen Haiku-Dichter Issa (1763–1827) und im Gedichtband Zoé Zebra (2004) von Kurt Marti (1921–2017). Lyrik der beiden hatte Wyttenbach bereits zuvor verarbeitet: Haikus von Issa (und anderen) in Lautkäfig für Sopran und Harfe oder Gitarre (1995–97, für Ingrid Frauchiger), Gedichte von Marti in Ist Klang der Sinn für einen rezitierenden Cellisten (2009). Und nun vereint er die japanische Poesie und jene des Berner Theologen unter einem Dach. Was hat es mit dieser Kombination auf sich? «Martis Gedichte sind natürlich keine Haikus», doch in Präzision und Dichte, sagt Wyttenbach, seien sie den japanischen Dreizeilern durchaus vergleichbar. Die Musik nimmt diesen Gestus eindrücklich auf. Da ist keine Note zu viel, keine zu wenig; jeder Ton ist durchdacht, auch wenn keiner einem ‹System›, sprich: einer Reihe oder dergleichen, angehört (eben: «Zu analysieren gibt es da nicht viel»). Machen die Duettini hie und da von einem, wenn auch äußerst dezenten, musikalischen Augenzwinkern noch Gebrauch, so entfällt es in den Gebeten an die Kannon Bosatsu, die japanische Göttin der Barmherzigkeit, ganz. Die Schlichtheit, ausdrucksvolle Wärme und – in traditionellem Sinne – Schönheit dieses kleinen Zyklus sind nachgerade berückend. «So einfach hatte ich nie geschrieben», sagt Wyttenbach. «Ich wollte einfach mal weg von der Chromatik und hatte beim Komponieren auch immer wieder diese japanischen Klänge im Ohr.» Plakatives Lokalkolorit habe er jedoch vermeiden wollen. Behutsame Anklänge gibt es dennoch: dezent eingewobene pentatonische Wendungen zum Beispiel. Oder aber die weite, oftmals eine None einschließende Lage im Klavier, verbunden mit einem harten Anschlag. Klangliches Vorbild waren hier die mit Plektren gespielten japanischen Saiteninstrumente. (Text: Doris Lanz)

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