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ensemble proton bern: Wölfli im Schaltjahr


Montag, 17 Okt. 2016 - 19:30 Uhr


Dampfzentrale


Facettenreiche Kopfgeburten aus Text, Musik, Malerei mit bis heute faszinierender Sprengkraft: die Textsinfonien des legendärsten Berner Psychiatrie-Insassen ever strotzen von Lautmalerei, magischen Zahlenkombinationen, Gedichten, „Liedern“ und „Märschen“.

Adolf Wölflis Freiheit entspringt der totalen Unfreiheit: Von 1895 bis zu seinem Tode im Jahr 1930, das sind immerhin lange 35 Jahre, bleibt er Insasse der psychiatrischen Anstalt Waldau bei Bern und sieht die Welt nie mehr von aussen. Sein Gesamtkunstwerk, das er in diesen Jahren als Zeichner, Maler, Dichter und Komponist realisiert hat, entspringt weitgehend einer imaginären Welt, sie schafft lückenlose Übergänge zwischen Wirklichkeit und Fiktion. 

Das Material verdichtet Wölfli zu facettenreichen Kopfgeburten aus Text, Musik, Malerei mit bis heute faszinierender Sprengkraft. Seine Textsinfonien strotzen nicht nur ganz bewusst von Lautmalerei, magischen Zahlenkombinationen, Gedichten, „Liedern“ und „Märschen“, sondern immer auch von direkten Hinweisen auf tönende Musik. „Obiges Lied ist 16 Schläg Marsch und, genau soh, wie der Text anbemerkt“ heisst es an diversen Stellen seines gigantischen, fast 1000-seitigen Textwerks „Von der Wiege bis zum Graab“.


Man soll sich also in einer nächsten Phase noch enger mit Wölfli und seinem „musikalischen Ansatz“ beschäftigen. Nämlich im Schaltjahr 2016 – Wölfli wurde 1864 am 29. Februar geboren! – durch die Vergabe weiterer Kompositionsaufträge für kammermusikalisches Ensemble an drei ausgewählte Komponistinnen und Komponisten: Wir reden von einem Format, das in seiner Grösse und Zusammensetzung wohl dem am nächsten kommt, was Adolf Wölfli in seinem inneren Ohr vorgeschwebt haben mag: Der herumziehende Landarbeiter Wölfli hat in seiner Zeit vor der Waldau sicher eine ganze Anzahl von gemischten Musikantengruppen, kleinen Dorfchören, Ländlerkapellen und Tanzmusiken gehört. 

Diese Musiken müssen Grundlage gewesen sein für die innere Verdichtung zu seinen Musik-Text-Werken. Damit soll unter dem Titel „Wölfli im Schaltjahr“ wiederum eine spannende Wölfli-Produktion entstehen – neue Konstellationen sind gesucht, neue Facetten werden sich zeigen, Auf die künstlerischen Antworten sind wir gespannt.

ensemble proton bern: Wölfli im Schaltjahr

Programm

Der Schööpfer (2015/2016) für Ensemble

Ezko Kikoutchi (*1968)


brotkunst / 54 stück / farbstifte papier tabak (2016) UA für ensemble

Annette Schmucki (*1968)


« … unsichtbahr Text … » (2016) UA Wolfs – « Allgebrah » für 8 Instrumente

Walter Feldmann (*1965)


Beteiligte

Szenische Gestaltung - Peter Schweiger


Dirigent - Matthias Kuhn


Flöte - Bettina Berger


Lupophon - Martin Bliggenstorfer


Klarinette - Richard Haynes


Kontraforte - Elise Jacoberger


Harfe - Vera Schnider


Klavier - Samuel Fried


Violine - Daniela Müller


Violoncello - Jan-Filip Ťupa