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Splitter: ein musikalisch-literarisches Kaleidoskop


Freitag, 01 Feb. 2019 - 20:00 Uhr


Le Cap (Französische Kirche)


Musik verschiedenster Stilrichtungen und Epochen!

Splitter: ein musikalisch-literarisches Kaleidoskop

Mittwoch 30.1.19, 20 Uhr im "Safe", unternehmen mitte, Gerbergasse 30, Basel

Donnerstag 31.1. 2018, 20 Uhr, Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur

Freitag, 1.2.19, 20 Uhr, L'art pour l'Aar, Französische Kirche Le Cap, Predigergasse 3, Bern

Scheinbar ungeordnet trifft Musik aus Mittelalter und Frühbarock auf avantgardistische Klänge, überlagert und kontrastiert mit Texten aus dem Umfeld von Marcel Duchamp und dem frühen Dadaismus. Aus der scheinbaren Sinnlosigkeit von Klang- und Wortfolgen schält sich allmählich ein Beziehungsgeflecht heraus, das Grundkonstanten unseres musikalischen und logischen Verstehens greifbar macht und den Bogen spannt über Musik verschiedenster Stilrichtungen und Epochen.

Giacinto Scelsi - Arc en ciel

In diesen kurzen Stücken mit ihren zarten Glissando-Bewegungen im mikrotonalen Raum scheint sich jede Schwerkraft und jedes Zeitgefühl aufzulösen. Ein eindrucksvolles Beispiel für Scelsis Komponieren mit feinsten Nuancen.

Max E. Keller - Mobile

In Mobile spielt jedes Instrument in freier Reihenfolge die ihm zusagenden Elemente. Alle haben die gleichen 25 Elemente zur Verfügung, die allerdings sehr unterschiedlich sind, sei es in der Länge, sei es in der Determinierung. Die gesellschaftliche Kehrseite solch freier Wahl unterschiedlichster Elemente (auch Instrumente) ist Beliebigkeit und Nivellierung bis zur Orientierungslosigkeit. Typischer Ausdruck davon ist das Internet: eine uferlose Menge von Informationen überschwemmen uns. Die gesprochenen oder gesungenen Texte drücken dies expliziter aus, indem sich neben einer Sensationsmeldung ein Detail des Versicherungsrechtes findet, neben einem Grenzzwischenfall ein Plan zur Rettung aus der Finanzkrise steht usw.

Claudio Monteverdi - Zefiro torna

Monteverdis Madrigal auf Worte von Rinuccini setzt heiterer Naturbeschreibung den Liebeskummer des einsamen lyrischen Ichs entgegen. Auch in der instrumentalen Bearbeitung kommt diese Ambivalenz zum Ausdruck.

Julia Wahren - Readymade Speech

Das bekannteste von Marcel Duchamps Readymades ist das Urinal. Er hat es „Fountain“ genannt und es als Test auf die Aufgeschlossenheit der modernen Kunstwelt auf eine New Yorker Ausstellung geschickt – im Jahr 1917. Es wurde nicht gezeigt. Die anderen Readymades waren, wenn man so will, Werke fürs Labor, für Duchamps Betrachtungen – das Fahrrad-Rad, der Flaschentrockner… Ihre Namen sind elementar für die Readymades; sie leben von Wortspielen und deuten Geschichten hinter den Objekten an: "Fresh Widwow“ heißt ein french window, „With Hidden Noise“ ein Objekt, in dem etwas Verborgenes klappert. „La Bagarre d’Austerlitz“ verschmilzt die Schlacht von Austerlitz mit dem Austerlitz-Bahnhof in Paris. In READYMADE SPEECH setzt sich Duchamps durch und durch französischer Sprachwitz in dadaistischer Manier fort. Worte werden zu Klang, generieren mit Tempo und Energie neuen Klang, neue Zusammenhänge, neue Komik.

Jörg-Peter Mittmann - Papillons

Beim Titel dieser Episoden werden Erinnerungen an Robert Schumanns frühen Klavierzyklus wach. Und in der Tat dienten Schumanns Charakterstücke als Vorbild dieser „Papillons“, wenn auch die Klangsprache eine gänzlich andere Richtung einschlägt. Zudem ist die Musik noch durch einen weiteren Aspekt inspiriert: 2008 hatte sich das Ensemble Horizonte intensiv mit der musikalischen Untermalung von Friedrich Wilhelms Murnaus Stummfilm-Klassiker „Tabu“ beschäftigt. Bestimmte Bilder und Szenen des Films haben einen prägenden Eindruck hinterlassen, der in den „Papillons“ nachhallt.

Kurt Schwitters - An Anna Blume

Guillaume de Machaut - Rondeau 'Ma fin est mon commencement'

Die philosophisch-theologische Aussage kleidet der große Konstrukteur Machaut in diesem kurzen Satz in eine spektakuläre Form: Als Palindrom kehrt die Musik wörtlich zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Man kann das Stück von vorn wie von hinten lesen.

Julia Wahren - Tonfischen (nach Hans Arp)

Grundlage des Stücks für Stimme solo ist das Gedicht „Klum bum bussine“ von Hans Arp. So klangvoll wie sein Titel ist es es im Ganzen. Es scheint eine Geschichte zu erzählen, ergeht sich aber viel mehr in opulenten absurden Bildern und genussreicher Klangsprache. Die Worte und Phantasien fließen und purzeln, es ist die reine Lust. TONFISCHEN greift aus Arps Gedicht die größten Leckereien heraus und lässt sie sich auf der Zunge zergehen, analysiert, vervielfältigt und variiert sie, lobt sie in den höchsten und bizarrsten Tönen.

Bernd A. Zimmermann - Sonate für Violine (1951)

Die Solosonate ist eines der ersten Meisterwerke von Zimmermann ; teils zwölftönig, teils in archaische Formen (Präludium, Rhapsodie, Toccata) erdacht, gelingt Zimmermann ein virtuos beseeltes Geigenstück. Noch enthält er sich den experimentellen Elementen der Sonate für Cello solo, doch die eigene, immer leicht ironisch sprunghafte Sprache ist schon gut hörbar. Egidius Streiff hat die Sonate 1994 auf der kritisch ausgezeichneten CD « Papa Bach » eingespielt.

Hans Arp - Kaspar ist tot

Jörg-Peter Mittmann - tenebrae

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit spielt in meiner kompositorischen Arbeit eine große Rolle. In diesem Fall sind es die "Schatten" einer Vergangenheit, die in Deutschland von der schier unvorstellbaren Kluft zwischen klassisch-romantischer Hochkultur und der Barbarei des Rassenwahns geprägt wird. So basiert "tenebrae" auf einer Reminiszenz, einem Motiv entnommen dem Allegretto-Satz der 3. Sinfonie von Johannes Brahms, das seiner gesanglichen Innigkeit entkleidet und rhythmisch verformt ausweglos in sich kreist, während die Oboe zunehmend obsessiv aus diesem Rotieren auszubrechen sucht. Das c-moll-Gerüst der Vorlage bleibt in den Streicherstimmen durchgängig präsent, während sich die Oboe in entlegene Tonräume entfernt und träumerisch dem sehnsuchtsvollen Ausdruck der Brahms-Melodie nachspürt.

Gerhard Rühm - stille

Kaija Saariaho - aus: Cloud Trio

Die finnische Komponistin schrieb diese Kammermusik inmitten der Natur der französischen Alpen, fasziniert von den Wolkenbildern in einem weiten Himmelsrund voller dramatischer Veränderungen. Den drei Instrumenten kommen dabei unterschiedliche Rollen zu. Während die Bratsche neue Bilder exponiert, antwortet ihr die Geige häufig wie ein Echo. Das Cello grundiert den musikalischen Satz gleichsam mit Schattenbildern.

Francis Picabia - Manifeste Dada / Cannibal

Claudio Monteverdi - Venite, Venite!

Monteverdis Komposition – hier wiederum instrumental bearbeitet - beruht auf biblischen Versen aus Jesaja, 55: Kommt, kommt, die ihr dürstet nach den Wassern des Herrn

Ernst Jandl - Lichtung

Malika Kishino - Lamento

Das Duo schrieb die in Deutschland lebende japanische Komponistin Malika Kishino zum Gedenken an die Opfer des großen Erdbebens und Tsunamis von 2011. Die Symbiose von Mensch und Natur stellt sich in Japan als eine Herausforderung ganz eigener Art dar. Sie bewegt sich im Spannungsfeld einer überaus malerischen Landschaft und zugleich der Präsenz extremer Naturgewalten. Letztere finden im Pizzikato, im erdrückten Bogenstrich und im col legno-Spiel musikalischen Niederschlag, kontrastiert mit einem einfachen Volkslied aus Fukushima "Sohma Nagareyama", das in seinen zarten Sepia-Farben gewissermaßen die „Landschaft des Herzens“ nachzeichnet.

Julia Wahren - krause zeit

Jean-Luc Darbellay - chemins croisés

Violine und Oboe... Eine reizvolle Kombination! Gleiche Lage der Instrumente, grundverschiedener Klang. Die "Wege" der beiden Instrumente kreuzen sich permanent. In den sechs, zum Teil sehr kurzen Sequenzen, ergänzen sich innigste Verschränkungen und expressive solistische Passagen. So verbinden sich die gleichzeitig divergierenden und konvergierenden Eigenschaften der Instrumente zu einem charakteristischen Klangfarbenspiel.

Marcel Duchamp - Schlaglichter

Jörg-Peter Mittmann - schlussakkord

Eugen Gomringer worte sind schatten


Splitter

Arc en ciel (1973) für Violine & Viola

Giacinto Scelsi (1905-1988)


Mobile (2013) für variables Ensemble

Max E. Keller (*1947)


Zefiro torna (1632) arrangiert für Ensemble

Claudio Monteverdi (1567-1643)


Readymade Speech für Stimme solo

Julia Wahren (*1968)


Papillons (2011) für Oboe, Harfe und Viola

Jörg-Peter Mittmann (*1962)


An Anna Blume

Kurt Schwitters


Rondeau 'Ma fin est mon commencement'

Guillaume de Machaut (ca. 1300-1377)


Tonfischen (nach Hans Arp) für Stimme solo

Julia Wahren (*1968)


Sonate für Violine (1951)

Bernd Alois Zimmermann (1918-1970)


Kaspar ist tot

Hans Arp


tenebrae (2005) für Oboe, Violine, Viola und Violoncello

Jörg-Peter Mittmann (*1962)


stille

Gerhard Rühm


aus: Cloud Trio (2009) für Violine, Viola und Violoncello

Kaija Saariaho (*1952)


Manifeste Dada / Cannibal

Francis Picabia


Venite, venite! arr. für Ensemble

Claudio Monteverdi (1567-1643)


Lichtung

Ernst Jandl


Lamento (2014) für Violine und Viola

Malika Kishino (*1971)


krause zeit

Julia Wahren


chemins croisés (2018) für Oboe und Viola

Jean-Luc Darbellay (*1946)


Schlaglichter

Marcel Duchamp


schlussakkord (2017) für Stimme und Instrumente

Jörg-Peter Mittmann (*1962)


worte sind schatten

Eugen Gomringer


Solistin

Stimme, Performance - Julia Wahren


Solist

Violine - Egidius Streiff


Ensemble Horizonte

Violine, Gesang - Milena Schuster


Viola - Maria Pache


Violoncello - Martina Styppa


Harfe - Helene Schütz


Oboe - Jörg-Peter Mittmann